Hefezopf

Zum Schabbes, zu Schabat, gehört die Challah (Hefezopf).

Dazu eine – selbst erlebte – Geschichte aus Jerusalem:

„Sprachprobleme“

Ich hatte euch doch schon irgendwann recht großspurig erzählt, dass viele Israelis Englisch sehr gut können, und dass man immer eine Sprache findet, in der man sich mit seinem Gesprächspartner verständigen kann …Doch das muss nicht immer gelten!

Der kleine Tante Emma Laden in Beit Vegan in meiner Nachbarschaft in Jerusalem, in dem ich meist einzukaufen pflegte, gehörte einem sephardischen Juden, einem Mann, der aus Marokko stammte (wie übrigens sehr viele Israelis, auch ein früherer Außenminister, David Levy, stammte ja aus Marokko!).

Der Ladenbesitzer sprach natürlich k e i n Deutsch, auch kein Jiddisch und kaum Englisch. Aber er sprach – natürlich – perfekt Hebräisch,sehr gut Französisch und magrebinisches (nordwestafrikanisches) Arabisch.

Ich sprach natürlich k e i n magrebinisches Arabisch, kaum Französisch, damals noch kaum Hebräisch …Und so etwas kann dann zu Problemen und Missverständnissen führen. 

Ich musste H e f e kaufen, einfache Hefe, Backhefe. Für die Challah. Nichts anderes.
Ich wusste, dass Hefe in Englisch ‚yeast‘ heißt. Das hebrä- ische Wort für „Hefe“ (schmarim) kannte ich damals noch nicht…Ich ging zum Ladenbesitzer und fragte nach ‚yeast‘.

Seine unverständliche Miene zeigte mir, dass er mit diesem englischen Wort nichts anfangen konnte. Gar nichts. Ein zufällig gerade einkaufender Frommer wollte mir helfen und schleppte ein Schreib-Heft, ein HEFT, herbei…, weil ich nach „Hefe“ gefragt hatte…..Hefe? Wie sag‘ ich es ihm nur, wie beschreiben?

Ja, ein Treibmittel beim Backen. Durch dessen Hinzufügen ein Kuchen oder eine Challah (= Hefezopf) schön „aufgeht“. Also machte ich wilde, gestikulierend Armbewegungen, dass etwas auseinander geht, aufwallt, gedeiht, aufgeht….

Ungläubige Gesichtszüge beim Ladenbesitzer. Er schaut skeptisch. Sehr skeptisch. Extrem skeptisch. Hält er mich vielleicht für verrückt?

Jetzt macht er die gleichen verrückten Bewegungen mit seinen Armen, so als ob etwas sich bewegt, aufwallt, aufschäumt, aufgeht…

Ich nicke zustimmend. Er lächelt verständig. Dann rennt er weg – und kommt mit einer Schachtel ‚Dash‘ – ein Voll-Waschmittel!

An diesem Tage fand ich keine Hefe. Aber ich fand die wichtige Erkenntnis, dass man sich schon in einem Land viel leichter tut, wenn man die Landessprache kann..

Also: Lernt iwrit (=neuhebräisch)!

(aus meiner Buchreihe „Ambassador“).


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