Archiv für Oktober 2014

Traditionelles Herbst-Schachturnier

Traditionelles Herbst-Schachturnier

Es ist schon eine Tradition geworden, jährlich Turniere zwischen Schachfreunden der Jüdischen Gemeinden in Bayern durchzuführen: das Purim-Turnier im Frühling in Augsburg und das Herbstturnier in Regensburg. Zusätzlich hat am 7. September 2014 zum ersten Mal die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg ein Blitzschach-Turnier organisiert. Die Schachwettkämpfe helfen, die Integration zu verbessern und die Kontakte zu anderen Gemeinden und zu Mitgliedern der deutschen Schachklubs zu verstärken. Das bestens organisierte bayerische Schachturnier, in Erinnerung an Otto Schwerdt, fand in der Jüdischen Gemeinde Regensburg statt. Am siebten Regens-burger Turnier am 26. Oktober haben dreizehn Mannschaften mit 45 Schachspielern aus den Jüdischen Gemeinden Augsburg, Erlangen, Hof, München, Nürnberg, Regensburg, Straubing, Weiden und Würzburg teilgenommen. In ihrer Begrüßung erinnerte Ilse Danziger, Vizepräsidentin des Landesverbandes der IKG in Bayern und Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Regensburg, an Otto Schwerdt s.A., Mitbegründer des Schachklubs der Jüdischen Gemeinde und selbst begeisterter Schachspieler.

Israel und Deutschland: Land und Leute

Land und Leute: Deutschland und Israel- erster Einblick

Anna Neubert und Roland Hornung

Israel ist sowohl ein orientalisches Land als auch ein europäisches. Beide Regionen, beide Kulturen prägen Israel. Israel liegt an der Nahtstelle von Orient und Okzident. Das könnte eine große Chance sein. Israel als „Brückenfunktion“.

Die Kulturstandards in Israel und Deutschland sind verschieden

Explizite und implizite Kulturen – Theorie nach Edward T. Hall:

• Implizite Kulturen: Kulturen mit hohem Kontext

- Teil der Botschaft bei Sender und Empfänger verankert
- enge Beziehungsnetzwerke (Familie, Freunde, Kollegen, Klienten)
- wenig explizite Kommunikation notwendig
- hoher Grad an Selbstverständlichkeiten
- hoher, schneller Informationsfluss
- Japaner, Araber, Mittelmeervölker, Franzosen, Israelis

• Explizite Kulturen: Kulturen mit niedrigem Kontext

- explizite Kommunikation
- starke Untergliederung, Segmentierung der Aufgabenbereiche
- Untergliederung der persönlichen Beziehungen
- langsamer Informationsfluss
- Amerikaner, Deutsche, Schweizer, Skandinavier

• Raum

- Deutschland: Kultur mit starker Raumaufteilung (Abgrenzung der einzelnen Räume voneinander, klare Grenzen, privater vs. öffentlicher Raum, hohe Sensibilität für räumliche Sphären, Segmentierung

- Israel: Durchlässigkeit der Räume, keine klare Trennung von öffentlich und privat, geringer Körperabstand, innige Begrüßung, intensiver Blickkontakt, offene Bürotür

• Zeit

- Deutschland: Monochromes Zeitverständnis; “Eins nach dem Anderen”, detaillierte, sachliche Informationen, langfristiges Planen, Detail- und Hintergrundwissen, Pünktlichkeit, logisches und analytisches Verhandeln

- Israel: polychromes Zeitverständnis, mehrere Dinge werden gleichzeitig erledigt, Verlängerung und Verschiebung von Terminen, spontane Reaktionen, unbürokratisches Agieren, Mangel an langfristiger Planung, Unterbrechung wird nicht als Störung empfunden

. Sachorientierung – Beziehungsorientierung/ Personenorientierung:

Deutsche gelten als eher sachorientiert, Israelis eher beziehungsorientiert

Regelorientierung: Deutschland, Saudi-Arabien,…
Eher weniger Regeln beachtend, locker: Israelis

©2014 Anna Neubert und Roland Hornung

„Giftgas“

„Giftgas?“

Es war in jener Zeit, als Saddam Hussein, der moderne „König von Amalek“, Israel großmäulig mit der Vernichtung drohte. Man wusste nicht, wie ernst er es meinte. Man wusste auch nicht, ob er Atomwaffen hatte. Aber man wusste, dass er Giftgas hatte. Das hatte er sogar, gegen sein eigenes Volk, gegen die Kurden im Norden des Irak, in Chalabdscha angewendet. Insofern war absolute Vorsicht geboten.
Eines Tages gab es sogar in Jerusalem leichten Schneefall (was sehr selten ist). Ein paar kleine Schneeflöckchen waren gefallen und hatten den Gehsteig leicht weiß gemacht.
Ein völlig verängstigtes kleines Kind stand im Hauseingang und traute sich nicht heraus. Es hatte wohl noch nie Schnee gesehen und wusste damit nichts anzufangen.
„Giftgas?“, fragte sie mich entsetzt.

(aus meinm neuen Buch „Ambassador 8″)

Antisemiten

„Antisemiten verkleiden sich oft. Manchmal verkeiden sich Antisemiten sogar als ‚Nazi-Jäger‘ “

(Roland Hornung, Zitat des Tages, 23. Oktober 2014)

Nie wieder Antisemitismus!

Nie wieder Antisemitismus!

In den letzten Wochen mussten wir alle in vielen deutschen Städten Zeuge werden, wie blanker Hass auf Juden wieder offen ausgebrochen ist. Antisemitische Hetzparolen, tätliche Übergriffe und Bedrohungen sowie Anschläge auf Synagogen haben bei vielen von uns große Bestürzung und Verunsicherung ausgelöst. In Zusam- menhang mit diesen Ereignissen fand am Sonntag, den 14. September 2014, um 15 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto: „Steh auf! Nie wieder Judenhass!“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin statt. Im Zuge dessen hatten auch wir, die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde der Stadt Regensburg ein Podium, um unsere Meinung hinreichend zu vertreten. Die Fahrt zum Veranstaltungsort wurde in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde der Stadt Straubing organisiert. Nach einer mehrstündi- gen Fahrt in einem komfortablen Bus sind wir am Samstag, gegen 21:00 h in Berlin angekommen. Im Anschluss konnten wir in den für uns reservierten Doppelzimmern im Vier Sterne Hotel „Leonardo“ einchecken. Abends konnten wir vielfältige Eindrücke der imposanten Metropole sammeln. Morgens nach dem Frühstück bekamen wir eine dreistündige Berlinrundfahrt geboten (u.a. Überbleibsel der Berliner Mauer, Reichstag, Staatsoper, Museumsinsel, die neue Synagoge, Denkmal für die ermordeten Juden Europas, usw). Am Schluss trafen wir am Brandenburger Tor mit ca. 6000 Teil- nehmern der Kundgebung zusammen. Die Aktion wurde vom Zentralrat der Juden in Deutschland ins Leben gerufen und war ein großer Erfolg. Es kamen viele stille Leute aus allen Ecken Deutschlands, um ihre Unterstützung für die Juden der Welt und für Israel zu zeigen. Viele Anwesende hatten die israelischen Flaggen und Transparente mit Aufschriften „Frieden“, „Schalom“, „Nie wieder!“. Die Redner der Kundgebung waren neben den Größen jüdischer oder kirchlicher Organisationen(u.a. Dr. Dieter Graumann, Kardinal Marx, Herr Lauder) auch aus der Politik(u.a. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Regierender Bürgermeister Berlins Klaus Wowereit). Der Präsident des ZdJ Dr Dieter Graumann sagte, die Juden in Deutschland hätten „wahrlich kein Sommermärchen erlebt“. Mit Blick auf die Anfeindungen auf propalästinensischen Demonstrationen warnte Graumann: „Ich will nicht dramatisieren, aber das waren wirklich die schlimmsten antisemitischen Parolen seit vielen, vielen Jahrzehnten“. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte im Namen der Bundesregierung „jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste“. Sie nannte antijüdische Pöbeleien einen „ungeheuren Skandal“ und betonte, dass die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgingen: „Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen. (…) Jüdische Freunde, Nachbarn, Kollegen: Sie sind in Deutschland zu Hause“. Mit dieser Kundgebung ist es unmissverständlich klar: Jüdisches Leben gehört zum deutschen Leben! Es ist ein Teil der deutschen Identität und Kultur!