Archiv für Januar 2014

Anna Neubert: Interview mit Prof. Dr. Dr. Alexander Thomas

Anna Neubert:

Interview am Samstag, 11. Januar 2014 zum Interkulturellen Tag mit
Professor Dr. Dr. Alexander Thomas

© Anna Neubert, Bamberg

( Erst-Veröffentlichung im “ FREUNDESBRIEF Regensburg-Israel – Januar 2014″ )

Anna Neubert: Sehr geehrter Herr Professor Thomas: „Der Gang ins Ausland ist eine Begegnung mit dem Ungewissen. Wer nicht direkt ins kalte Wasser springen will, kann bei diesem Seminar sicher sein, dass nicht nur die Zehenspitzen mit dem Wasser in Berührung kommen. Wir bauen mit Euch verschiedene Aquarien auf, erzählen Euch von den Haifischen der Region, verraten Euch, wie tief das Wasser ist – und an welchen Stellen man am einfachsten eintauchen kann….“das kann man über ein „interkulturelles Training“ lesen. Können Sie dem zustimmen, im Hinblick auf Internationale Handlungskompetenz (IHAKO)?

Herr Professor Thomas: ich halte das oben genannte Bild für ein schlechtes Bild für den Kern der IHAKO. IHAKO ist ein komplexes Thema und die Bilder kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Mit dem Bild von den Aquarien kann ich überhaupt nichts anfangen und das Bild der Haifische finde ich übertrieben: ein Haifisch verschlingt alles, lässt nichts übrig und beutet andere aus. So schlimm ist es im Ausland eher selten. Auch das Bild vom tiefen Wasser stört mich. Tiefes Wasser erzeugt Unsicherheit. Im Ausland ist man oft unsicher. IHAKO will dies vermeiden und den Kursteilnehmern eine klare Orientierungshilfe geben.

Anna Neubert: Wie würden Sie in zwei oder drei kurzen Sätzen IHAKO erklären?

Herr Professor Thomas: Das Seminar IHAKO hat das Ziel der Förderung der Internationalen Handlungskompetenz. Die Studenten sollen ihre Kompetenzen eigenständig aufbauen und das Gelernte anwenden. Natürlich werden sie dabei unterstützt und es werden ihnen Fertigkeiten vermittelt. Internationale Handlungskompetenz hat das Ziel, die Fähigkeit, mit anderen Kulturen so umzugehen und zu kooperieren, dass die Ergebnisse für beide Seiten erfolgreich und zufriedenstellend sind. Der gute Wille allein reicht wie so oft nicht. Internationale Handlungskompetenz muss trainiert werden. Man muss seine eigene und auch die fremde Kultur reflektieren und sich in die Gedanken-, Gefühls- und Handlungswelt der fremden Kultur hineinversetzen. Ein gutes Beispiel ist ein Entwicklungshelfer in Afghanistan, der ein Aufforstungsprogramm durchführte, um das Klima dort zu verbessern. Er selbst machte alles richtig, nur die Einheimischen machten ihm wieder und wieder einen Strich durch die Rechnung: Sobald die Bäumchen Daumendicke erreicht hatten, wurden sie von ihnen abgeholzt und als teures Brennholz verkauft. Es konnte ihnen so oft erklärt werden, wie man wollte, es half alles nichts. Was lief falsch?

Der Entwicklungshelfer hatte zu kurz gedacht. Man sollte nicht nur einfach helfen, sondern die Einheimischen aktiv mit einbinden und auch deren Logik und religiöse Gegebenheiten mit einbeziehen. Der Entwicklungshelfer könnte die Religionsführer fragen, was im Koran über Natur und Umweltschutz steht, ein Fest für Bäume veranstalten und gemeinsam mit den Einheimischen feiern, sie über die Folgen ihrer Handlungen aufklären.

Heute wird die Kontextualisierung von Entwicklungsprojekten besser berücksichtigt, doch in vielen Fällen laufen sie noch nicht optimal. Ein Entwicklungsprojekt ist ein hochkomplexer Prozess.
Wie erklärt man sich die Tatsache, dass die chinesische Wirtschaft so schnell wächst, während die indische kaum Wachstum verzeichnet? Wenn man sich die beiden Kulturen genauer anschaut, stellt man fest, dass in Indien das Kastensystem herrscht, dass es den unteren Schichten unmöglich macht, aufzusteigen. Gleiches gilt auch für seine Nachkommen.

Anna Neubert: Wo sehen sie direkten und indirekten Nutzen von IHAKO?

Herr Professor Thomas: Der direkte Nutzen einer internationalen Handlungskompetenz liegt darin, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturen besser initiiert, begleitet und kontrolliert werden kann. Die Kulturen werden füreinander sensibilisiert. Der indirekte Nutzen der internationalen Handlungskompetenz liegt darin, dass die Studenten dazu befähigt werden, besser mit kultureller Vielfalt und unklaren, ambivalenten, intransparenten, schwer verständlichen Situationen umgehen können. Der automatische Bewertungsprozess des menschlichen Gehirns wird gestoppt. Einige meiner Studenten haben mir mitgeteilt, dass das Fach IHAKO eine große Hilfe im Studium für sie sei. Deshalb halte ich es für sinnvoll, sich [im Studium] mit dem Fach IHAKO auseinanderzusetzen.

Anna Neubert: Nennen Sie ein oder zwei besonders auffällige Beispiele, die deutliche Unterschiede zwischen der deutschen und nicht-deutschen Kulturen zeigen.

Herr Professor Thomas: Das erste Beispiel liegt im Unterschied zwischen der französischen und der deutschen Manager-Arbeitsweise. Ein Deutscher arbeitet sehr stark monoton und muss eine bestimmte Reihenfolge unbedingt einhalten. Der französische Manager hingegen hat stets das Gefühl, der könne sich nach einer Diskussion nicht auf die im Konsens getroffene Entscheidung verlassen. Ihm fallen neue Gesichtspunkte auf, die er meint, berücksichtigen zu müssen. So muss der Prozess von Vorne aufgerollt werden, da der Manager sonst das Gefühl hat, er wird von seinen Untergebenen nicht ernst genommen. Der Deutsche denkt vom Franzosen, dass dieser nichts zu Ende führen könne. Der Franzose meint, der Deutsche sei ein unkreativer Befehlsempfänger, der immer nur im Gleichschritt marschiere.

Ein weiteres Beispiel ist der Unterschied zwischen der deutschen Sachorientierung und der tschechischen Personenorientierung. Der deutsche Unternehmer lässt seine Ware in Tschechien fertigen, weil er die Produktionskosten niedrig halten will. Die Hauptsache ist, dass der Produktionsprozess läuft. Der Mitarbeiter an sich ist ihm relativ egal. Er muss nur die richtige Qualifikation mitbringen sowie zuverlässig und kreativ sein. Doch der tschechische Mitarbeiter ist nur bereit, die genannten Kriterien zu erfüllen, wenn er das Gefühl hat, sein Vorgesetzter mag ihn und ist bei Problemen immer da und hört ihm zu und hilft gegebenenfalls. Doch der deutsche Unternehmer meint, dafür seinen Therapeuten, Freunde oder Familie zuständig.

Anna Neubert: Warum spielt interreligiöse Kompetenz eine so große Rolle?

Herr Professor Thomas: Interreligiöse Kompetenz war lange kein Thema in der Internationalen Handlungskompetenz. Sie ist aber äußerst wichtig.
Unsere Demokratische Ordnung, unser Wertesystem, unser Grundgesetzt fußt auf der christlich-jüdischen Werte-Ordnung. Unterlassene Hilfeleistung hängt mit der Geschichte vom Barmherzigen Samariter zusammen. Es gibt riesige Unterschiede in der Grundauffassung von Nächstenliebe und Hilfeleistung zwischen den monotheistischen Religionen mit ihrer Forderung nach Nächstenliebe und den fernöstlichen Religionen ohne die geringste Spur davon, dort darf man nicht helfen! Religionen bieten eine Weltordnung und teilen die Welt in profan und spirituell. Religionen haben sowohl eine Sozialisierungsfunktion, als auch eine persönliche Identitätsfunktion und eine Grundlagenfunktion zur Distanzierung von der Gegenwart zum zukünftigen Heil („Die Letzten werden die Ersten sein“).Mit Hilfe einer Religion kann man so manches Problem lösen. Auch hier kann man wieder das oben genannte Beispiel mit dem Entwicklungshelfer in Afghanistan, dessen Bäume immer wieder von den Einheimischen gestohlen und als Brennholz verkauft wurden, anwenden. Ich hatte dem Entwicklungshelfer damals ja geraten, die dortige Religion, also den Islam wirksam einzubeziehen. Den Einheimischen müsse erklärt werden, dass diese Bäumchen Allah geweiht seien, ein Imam müsse um den Wald herum und ihn abgrenzen und sagen, dass man niemals diese Bäumchen abhacken dürfe, man könne auch ein mehrtägiges Fest zu „Ehren“ des Waldes feiern. Diese Vorschläge erwiesen sich als sehr hilfreich.
Quintessenz: Religion ist Teil der Wahrnehmung, Teil einer Kultur und kann sinnvoll eingesetzt werden. Umgekehrt kann eine Unwissenheit über die örtliche Religion große Probleme hervorrufen.

Anna Neubert: Als Israel-Journalistin interessieren mich natürlich auch anti-israelische Klischees und Stereotype. Wie kann IHAKO diesen Vorurteilen vorbeugen?

Herr Professor Thomas: Die Funktion von Klischees und Stereotypen darf nicht unterschätzt werden. Man sollte sie offen ansprechen und auf ihre Relevanz hin prüfen. Stereotypen müssen ausdifferenziert und aufgebrochen werden.

„Der Araber kennt den Koran in- und auswendig.“ Ist ein Vorurteil. Die meisten Araber haben den Koran wahrscheinlich nur einmal gelesen oder gar nur von anderen gehört, was darin steht.
„Die Palästinenser sind ein von Israel unterdrücktes Volk.“ Ist ebenso ein Vorurteil. Die Beziehung zwischen diesen beiden Völkern ist viel zu kompliziert, um dies als Außenstehender einfach mal eben beurteilen zu können.

Die israelische Methode, Siedlungen zu errichten, erweckt bei mir den Eindruck gezielter Landnahme. Und die Errichtung der Mauer [des Sicherheitszaunes, Anm. d. Journalistin] wie auch die israelische Siedlungspolitik sind nicht hinnehmbar.

In der ganzen Diskussion um den Nahostkonflikt, Israel und Juden sollte man aus deutscher Sicht die spezielle Rolle Deutschlands wie auch Israels berücksichtigen. Diese hat keinen direkten Bezug zum Holocaust, aber das Verhältnis ist schwierig.
Vorureile haben eine überlebenswichtige Funktion. Im entscheidenden Moment muss man nicht lange überlegen oder recherchieren und kann sich ein schnelles Urteil bilden. Irrelevante Details und komplizierte Widersprüche werden automatisch ausgeblendet.

Anna Neubert: Was können Sie zum Abschluss noch sagen?

Herr Professor Thomas: Wir haben noch nicht viel zum Thema Naher Osten gesagt. Wissen Sie, ich habe in meinen jungen Jahren die Teilung Deutschlands und den Ost-West-Konflikt abgelehnt. Für mich war die Zeit meines Studiums sehr umständlich, ich wohnte in Köln und studierte in Westberlin. Immer, wenn ich wieder Richtung Westberlin gefahren bin im Inter-Zonen-Zug, hieß das für uns Passagiere immer langes Warten, Diskriminierung durch die Stasi und solche Sachen. Die Stasi hat den Zug immer ganz systematisch durchkämmt und alles ganz akribisch unter die Lupe genommen. Man hat sich einfach unwohl gefühlt und wollte da raus.

Ich hatte allmählich keine Hoffnung mehr, dass dieser Konflikt je aufhören würde und dachte, die Teilung und die Mauer würden noch tausend Jahre bestehen. Doch dann gab es eine überraschende Wende durch den russischen Staatsmann Gorbatschow, der der Wiedervereinigung schlussendlich doch zustimmte. Und die Mauer war ja vorher auch durch eine „friedliche Revolution“ gefallen. Man sollte nie sagen: „Nie gibt es nicht.“

Bezüglich des Nahostkonfliktes habe ich dieselben Gedanken. Man versucht, etwas zu rekonstruieren, das nicht zu rekonstruieren geht.
Nach den Friedensverträgen zwischen Israel und manchen arabischen Staat haben beide Seite immer noch nicht verstanden, dass aus einem Krieg kein Sieger hervorgehen kann. In Gaza herrscht Kleinkrieg. Auch die Friedensverhandlungen mit Kerry scheinen nicht zu fruchten. Die Völkergruppen in der Region sind traumatisiert.

Es gibt Zionisten, die vor dem Holocaust nach Israel sind und solche, die es erst danach dorthin geschafft haben. Es gibt nur wenige Holocaustüberlebende, und diese haben oft nicht nur mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, sondern auch mit dem Trauma der Einsamkeit. Viele von ihnen haben ihre gesamte Sippe verloren und fragen sich, warum ausgerechnet sie als einziger ihrer Familie überlebt haben.

Das deutsch-israelische Verhältnis ist nicht entspannt. Und die deutsche Politik in Bezug auf Israel ist weder Fisch noch Fleisch. Man sollte klare Positionen beziehen.

Ich war einmal auf eine israelreise in einem Kibbuz zu Besuch und war erschrocken über die Ideologie. Denn diese erinnert mich sehr stark an die Nazi-Ideologie. Kinder werden von ihren Eltern getrennt die meiste Zeit und können keine gesunde Beziehung zu ihnen entwickeln. *)

Im Nahostkonflikt sind Israel Kompromisse zu gefährlich, zu riskant. Doch erstaunlicherweise hat Israel es geschafft, sich aus dem Syrienkonflikt größtenteils rauszuhalten. Sehr gut!

Anna Neubert: Vielen Dank für das Gespräch!

© Anna Neubert, Bamberg

*) Anmerkung der Redaktion: Diese unselige Art, Kinder von ihren Eltern zu trennen, gibt es schon lange nicht mehr im Kibbuz.

Interkultureller Tag 2014

Interkultureller Tag am 11. Januar 2014

Es war ein sehr gelungener Tag: Sehr gute Workshops, köstliches Essen, hoch interessante Hauptvorträge (Märchenhafte Kultur, Interreligiöse Kompetenz) und vielseitige Info- und Literaturtische.
Unsere Anna Neubert (Übersetzerin, Lektorin, Israeljournalistin) wird demnächst Interviews mit den beteiligten Professoren Thomas und Dreyer publizieren.

Ein wichtiger Tag – und wiederholenswert!

„Liebe geht durch den Magen“

„Liebe geht durch den Magen“,

und „ein gutes Essen hält Leib und Seele zusammen“ sind bekannte und oft zutreffende Sprichworte. Daher ist es wichtig, die KÜCHE eines jeden Landes, einer Kultur, kennen zu lernen.

Die israelische Küche: Es gibt in der israelischen Küche wohl DREI Hauptrichtungen:

1.) Die osteuropäisch-jüdische (jidische) Küche, mit Tscholent, gefillte Fisch, Latkes, Schtrudl, Blinzes (blinys) – Palatschinken, Krapfen, usw…. – sie scheint eher rückläufig in Israel, da der Einfluss (ost-)europäischen Judentums zurück geht….

2.) Die orientalisch-sfardisch-arabische Küche, heute der Hauptzweig der israelischen Küche, mit Falafel, Humus und Schuwarma, usw….

3.) Die internationale Küche wie selten weltweit so breit wie in Israel – dank Einwanderern aus 120 Ländern

„Israelkritik“

„Israelkritik“

ist ein Modewort von (vor allem deutschen) Pseudo-Intellektuellen geworden. Oft versteckt sich dahinter ein ganz gewöhnlicher und
primitver Antisemitismus. Doch ein wenig „intellektuell verbrämt“.

Interessanterweise kennen solche Halb-Gebildeten keine Kritik an schlimmen Diktaturen und/oder klerikalfachistischen Sytemen. Eine „Pakistankritik“ oder „Nordkorea-Kritik“ oder „Saudiarabien-
Kritik“ kaum mir nie zu Ohren.

Oft kritisieren solche Typen fast ohne Vorwissen und Vorkenntnisse, aber im Brustton der Rechthaberei und Besserwisserei.

Man erkennt das intellektuelle „Niveau“ solcher „Israelkritiker“ sehr schnell an deren Stammtisch-Parolen: „Mauer“, „Siedlungspolitik“,
„Besatzung“, „Freiluftgefängnis Ghaza“, „eingepfercht in Ghaza“, „ausgehungerte Palästinenser“ und ähnliche primitve Floskeln.

Sehr beleidigend können solche „Intelligenzgrößen“ auch sein. Mir ist das gleichgültig. Denn mich können nur Menschen beleidigen.

Eine sehr „toitsche“ Frau

Es geht um eine sehr toitsche Frau. Es geht um Annette Groth, „Die Linke“. Ich bin über diese Volksverhetzerin sehr sauer !

Sie ist Unterstützerin der MASSENMÖRDERS Assad in Syrien (wie übrigens die NPD und „Die Linke“ in trauter „national-
sozialistischer“ Verbundenheit auch insgesamt!), der weit über 100 000 Menschen auf dem Gewissen hat!

Und solch eine „national-sozialistische“ (?) Tussi hetzt in gewohnter volksverhetzender Weise weiter gegen Israel.

Pfui !